Funky Colts kommt als kleines A5-Heftchen mit knapp 110 Seiten daher. Es passt also gemütlich in den Rucksack oder die Umhängetasche. Damit wird es auch dem eigenen Anspruch, eher ein Rollenspiel für nebenbei zu sein gerecht. Die Regeln lassen sich schnell erklären und verstehen und so sind in wenigen Minuten Charaktere erstellt und die Jagd nach Verbrechern kann losgehen.
Doch halt, machen wir das Ganze Schritt für Schritt. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Erstellung des Helden. Hierzu verteilt man mal wieder Punkte auf Attribute und Fertigkeiten. Abgerundet wird das Ganze von den sogenannten Stunts. Das sind Dinge, die den Charakter definieren. So hätte B.A. Baraccus aus dem A-Team zum Beispiel den Stunt „Heißer Ofen" für seinen geliebten Van. Interessant ist an dieser Stelle zu erwähnen, das das Regelwerk ausdrücklich davon ausgeht, dass die Charaktere keine Hintergrundgeschichte haben. Immerhin sind sie „nur" Helden in einem Pilotfilm zu einer Serie. Was da mal wichtig werden könnte wird später in Flashbacks geschehen (die auch ein festes Stilmittel des Spielleiters sind, aber dazu später). Abgerundet wird das Kapitel mit ein paar Archetypen, die Ideen für Charaktere geben, aber auch für ein schnelles Spiel herhalten können.
Das Regelsystem ist extrem simpel gehalten. Es gilt mit 2W6 plus dem Wert in der entsprechenden Fertigkeit oder Attribut einen Mindestwert zu übertreffen. Dabei wird davon ausgegangen, das die Charaktere so gut sind in dem was sie tun, das sie einfache Aufgaben auch so schaffen. Natürlich können sich die Mindestwerte auch durch äußere Umstände verändern. Trotzdem ist der Kern des Regelsystems auf sieben Seiten erklärt. Wie auch bei anderen Rollenspielen gibt es bei Funky Colts auch eine Entsprechung für Schicksalspunkte. Hier nennen sie sich „Funkys" und jeder Funky repräsentiert einen kompletten Würfel, der zusätzlich geworfen werden darf.
Das Kampfsystem ist ein bisschen komplexer. Allerdings immer noch schnell erklärt. Man wirft ob man trifft, der Gegner versucht auszuweichen und wenn ihm dies gelingt, würfelt man wie viel Schaden angerichtet wird. Ganz im Sinne der Serien-Mentalität ist das System aber nicht besonders tödlich. Ein Charakter kann eine ganze Menge einstecken, bevor er ohnmächtig wird oder gar stirbt. Spannend ist auch, das man davon ausgehen kann, das erlittener Schaden normalerweise bis zum Beginn der nächsten Folge (sprich der nächsten Sitzung) komplett geheilt ist. Nebenbei wird in diesem Kapitel noch auf soziale Konflikte eingegangen, die mit einem ähnlich einfachen System abgehandelt werden. Anschließend geht es noch um Verfolgungsjagden.
Dann schließlich folgt der Teil für den Spielleiter. Hier werden vor allem Anfänger auf dem Gebiet an die Hand genommen und anhand von verschiedenen Beispielen und Vorschlägen hat man schnell seine eigene Serie beisammen. Erwähnt werden sollte hier auch, das es Tipps für das Leiten im typischen Stil einer Actionserie aus dieser Zeit gibt: Montagen, Flashbacks und Split Screens. Damit kommt ganz schnell das Feeling auf, das man selber auch immer hatte und auch hat, wenn man mal wieder eine Folge Starsky und Hutch oder A-Team guckt. Lustig ist noch der abschließende Folgengernerator, mit dem man in wenigen Minuten sich die Struktur einer Folge zusammenwürfeln kann, wenn man mal so gar keine Idee hat. Abgeschlossen wird das ganze durch ein kurzes Kapitel zu Nebenrollen, also NSCs, die einfach nur in größeren Mengen auftauchen (man denke an Ninjas oder Rockerbanden).
Alles in allem ist Funky Colts eine nette Abwechslung für nebenher. Vor allem, wenn einmal nicht alle Spieler zur normalen Runde kommen können, kann es sich anbieten Funky Colts zu leiten. Die Regeln sind schnell erklärt und fast jeder kann sich in das Setting hineinversetzen. Allerdings ist das System weniger für längere Kampagnen geeignet, da sich die Werte der Charaktere nicht steigern.
Was mit persönlich noch sehr gefallen hat ist das handliche Format. Ähnlich wie z.B. auch Dungeonslayers kann man Funky Colts noch neben den normalen Rollenspielbüchern in den Rucksack bekommen und ist so immer gut gewappnet. Die comichaften Artworks hingegen mögen nicht jedermanns Geschmack sein. Mir haben sie aber gut gefallen.

