Geralt von Riva, Hexer oder wie es im Original heißt Wiedźmin. Am 17. Mai 2011 zieht ihr eure Klinge in der lang ersehnten Fortsetzung des Überraschungserfolgs The Witcher. 2007 beeindruckte das Erstlingswerk von CD Projekt Red, trotz anfänglicher Bugs, Kritiker und Fans von Computer-Rollenspielen. Zu innovativ war das Witcher-Setting, zu charakteristisch der Protagonist, zu abgebrüht die Bewohner der Städte, zu erwachsen die Möglichkeiten in einer virtuellen Realität handeln zu dürfen. The Witcher ist eines der wenigen Spiele, das bis ins Detail der literarischen Vorgabe treu ist. Die Kurzgeschichten und die Roman-Pentalogie von Andrzej Sapkowski bricht mit vielen Fantasy-Standards und wirft moderne Probleme und Fragen des Lebens auf. Meist geschieht dies in unverblümter Sprache, gewitzten Darstellung und der Welt an sich. Die Macher von The Witcher haben auf Sapkowskis Romane sehr gut aufgebaut. Das erklärt wohl die Faszination, die The Witcher auf Spieler und Kritiker ausübt, die sich sonst gerne mit der zehnten Kopie von Baldur's Gate, Diablo oder The Elder Scrolls befassen.
Die Nördlichen Königreiche sind eine erwachsene Welt mit real klingenden Problemen. Das Beseitigen der Bestie "Striga" war im ersten Teil eine zutiefst politische Sache und keine "Töte 1 Monster X am Ort Y"-Quest. Das Ungeheuer war die verfluchte Tochter des Königs, die von einigen Leuten am Hofe beseitigt werden sollte, während andere versuchten sie mit Hilfe des monstererfahrenen Hexers zu entfluchen. Und statt einen Mob n
ach dem anderen hinzurichten, lebt jede Kreatur in der Welt von Andrzej Sapkowski, so der Autor der Romanvorlage zum Spiel, und wird mit einem Kodex-Eintrag gewürdigt. Auch in The Witcher 2 wird man ähnlich durchkomponierte Monsterjagdgeschichten erleben dürfen. Und auch hier werd en die Städter derbe Gesellen sein, die sich nicht scheuen rassistische Sprüche gegen Zwerge oder Elfen über die Lippen wandern zu lassen. Die Welt von Geralt ist eine Märchenwelt mit Prinzessinnen und Ungeheuern, hineinversetzt in die komplizierte und meist unschöne, da von menschlichen Interessen durchstrukturierte, lebendige Welt.
Freute sich manch Jugendlicher bei Das Schwarze Auge: Schatten über Riva über die Möglichkeit ein Bordell... einen Rahja-Tempel zu besuchen, ist die Jagd nach dem schönen Vergnügen in den Nördlichen Königreichen bei The Witcher eine recht lockere, unanständige und doch normale Sache.
Haben Blizzard Entertainment mit Diablo die Action ins Rollenspielgenre gehievt und, das muss man zugeben, das damals absterbende Genre zu neuem Leben verholfen, ist das blutige Gemetzel bei The Witcher dank zahlreicher fantastischer aber dennoch semi-realer, da von Kampfkunstprofis per Motion-Capturing aufgenommen, Moves und Blutspritzer eine Augenfreude, wenn auch die Steuerung schnell langweilig wurde. Dies soll geändert werden und wir sind gespannt auf die Probe.
Wir freuen uns auf die Fortsetzung und fragen uns, welche Überraschungen CD Projekt RED diesmal auf den Tisch legen werden und ob sie aus den alten Fehlern gelernt haben? Wie entwickelt sich das Witcher-Spiel der Polen weiter? Wird die Welt um Hexer Geralt aus Riva neue Fans gewinnen? Einiges ist bereits durchgesickert; wir stellen es hier in einem The Witcher 2 Special in den nächsten Wochen vor.

