Zunächst das Video: (die Tonspur befindet sich nur auf der linken Seite, wir bitten, dies zu entschuldigen)
Orkenspalter rezensiert: Pathfinder
Als jemand, der Pathfinder seit einer kleinen Weile selbst spielt, stimme ich insofern zu, dass das Buch wirklich sehr schön gestaltet ist. Allerdings endet hier auch der Konsens.
Ein Regelwerk, in dem es fast komplizierter ist, einen Krieger als einen Magier zu spielen, ist für Einsteiger oder auch nur Gelegenheitsspieler sicher nur dann geeignet, wenn der Spieler bereit ist, sich umfassend einzulesen. Was passiert, wenn dem nicht so ist, erlebe ich bisweilen in unserer eigenen Pathfinder-Runde, in welcher ein Angriffswurf des Stufe 4 Halbrkbarbaren schonmal einen Taschenrechner nötig machen würde, wären wir nicht alle so gut im Kopfrechnen.
Das Grundgerüst ist sicherlich klassisches D&D und als solches auch durchaus nachzuvollziehen, das Skillsystem ist an sich überschaubar, hinzugekommen sind Traits und Feats, welche dem Charakter zusätzliche Fertigkeiten oder Eigenschaften zuweisen. Hier bedarf es einer gewissen Übersicht, um den Überblick nicht zu verlieren, denn die Feats werden alle paar Stufen mehr und kumulieren. Skills und eigentlich alle Eigenschaften werden durch die Attribut-Modifikatoren bestimmt - ändert sich ein Attribut (beispielsweise durch einen temporären Effekt oder einen Feat), ändert sich kurzzeitig alles mit, was zu diesem Attribut gehört. Das kann im Kampf schon mal zu Verwirrung und Rumgesuche führen, wenn das sich ändernde Attribiut Stärke ist und sich somit der Nahkampfwaffen-Angriffswurf, der Nahkampfwaffenschaden und alle auf Stärke basierenden Skills mitändern und man nicht die Attribut-Modifikator-Tabelle auswendig gelernt oder ausgedruckt hat. Kommt dann noch ein weiterer Feat hinzu, wird es ... interessant. Am Beispiel unseres Stufe 4 Halborkbarbaren, dessen Standard-Angriffswurf folgendermaßen aussieht:
Base Attack Bonus +4, Nahkampfangriffswurf +9 (BAB + +5 STR) Soweit so gut. Nun greift aber ein Barbar nicht einfach so an, sondern so:
Rage + Power-Attack. Rage gewährt einen +4 Bonus auf Stärke und Konstitution, der Spieler nimmt dabei einen Abzug von 2 auf Konstitution in Kauf (Stichwort: Rettungswürfe) und noch ein paar andere Dinge, die für dieses Beispiel nicht von Belang sind. Power-Attack wiederum gibt -1 auf Nahkampf, dafür +2 auf Nahkampfschaden und nochmal 50% zusätzlich, wenn der Angriff zweihändig ausgeführt wird.
Das heisst: Beim Einsatz dieser beiden Feats wird der Angriffswurf mit +10 ausgeführt (STR +7 statt +5), -1 durch den Abzug bei Power-Attack. Der Nahkampfschaden wiederum beträgt anstelle von 1W12 (z.b.)+5 1W12+(7*1,5) bei einer Zweihandwaffe. Kommen jetzt nich verzauberte Waffe hinzu... ach lassen wir das.
Alles klar?
Für den gewieften Rollenspieler ist das sicherlich Jammern auf hohem Niveau, in der Praxis, in der wir eher Gelegenheitsspieler sind und keine Zeit haben, uns ausführlich ins Regelwerk einzuarbeiten, ist es tatsächlich etwas lästig und frustierend, wenn Spielfluss und Atmosphäre durch Regeldiskussionen unterbrochen werden. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin ein großer Freund komplizierter Regelwerke, bei denen man sich so richtig als Nerd fühlen kann. Pathfinder jedoch finde ich relaitv frustrierend und hätten wir nicht das wandelnde Regelwerk in unserer Runde, würden wir uns wohl stark überlegen, ob wir nicht lieber was anderes spielen wollen. Das Dasein als Kleriker oder Magier ist im Übrigen tatsächlich sehr viel entspannter, was ich schon verwunderlich finde ...
Hat man das ganze System jedoch irgendwann in seiner Gänze durchschaut, so macht es durchaus Sinn ... sogar die abenteuerliche Konstruktion "range touch attack" (welche schon ihrer Bezeichnung jeglicher Logik widerspricht), ist nachvollziehbar als ein Kontrukt, welche bestimmte Aktionen regeln soll. Aber: für Neulinge ist das nichts und eigentlich auch nicht für Leute, die einfach nur mal ein bisschen spielen wollen.
Fazit: Ein schick aufgemachtes Buch mit allerlei komplexen Regeln, die derjenige sicher zu schätzen weiss, der Spass und Muße hat, sich in diese einzuarbeiten, andere sind mit einem unkomplizierteren System für den gelegentlichen Spieleabend sicher besser bedient.





